Collioure vom Meer aus: versteckte Buchten, Fauvisten und Königsschloss
Bevor Collioure ein Dorf ist, ist es eine Silhouette, die man weit draußen auf dem Meer erahnt. Rosa Glockenturm, Schloss auf den Wellen, geheime Buchten zwischen Argelès und Cap Béar… Das Meer erzählt eine Geschichte, die keine Straße erzählen kann.
Sich Collioure vom Meer aus zu nähern, heißt, denselben Weg zu nehmen, den jahrhundertelang die Phönizier, die Könige von Aragón, die Seeleute Vaubans und – viel später – die Maler auf der Suche nach Farbe gegangen sind. Vom Deck eines Bootes aus entdeckt man das Dorf nicht: es erscheint. Zuerst die orangefarbene Rundung des Glockenturms, dann das Königsschloss, das auf dem Wasser zu schweben scheint, und schließlich die Anse Boramar, eingefasst von Pastelltönen. Genau diese Perspektive – die keine Gasse jemals zeigt – macht KapMer ab Argelès-sur-Mer für alle erlebbar.
Die Ankunft am Liegeplatz: eine Schwelle, mehr als ein Ziel
Die Annäherung vom Wasser zeigt die Logik einer nach Süden geöffneten Festungsstadt. Das Boot streift zuerst Ocker- und Schieferfelsen, umfährt eine felsige Spitze, und plötzlich öffnet sich die Bucht: goldene Mauern, halbmondförmige Strände, die Halbinsel der Kirche, die in die Wogen ragt. Die Fauvisten-Maler haben sich 1905 nicht getäuscht – es war genau dieses Licht, vom Wasser aus gesehen, das die moderne Kunst kippen ließ. Halten Sie die Kamera drei Minuten vor dem Anlegen bereit: die Schärfe verfehlen die meisten beim ersten Mal, so verwirrend ist dieses goldene Licht.
Das Königsschloss Mallorca, von der Seeseite
Vom Land sieht man seine Mauern. Vom Meer sieht man sein maritimes Gesicht: eine fensterlose, aus dem Fels emporragende Wand, gebaut, um die Bucht zu sperren. Diese mehr als tausend Jahre alte Festung hat Westgoten, Könige von Aragón, Ludwig XI., Karl V. und schließlich den Ingenieur Vauban gesehen, der sie mit sternförmigen Bastionen ausstattete. Vom Boot aus versteht man, was ihre Erbauer im Sinn hatten: ein dichter maritimer Riegel, Wächter des Golfe du Lion. Im Licht des späten Nachmittags scheint der goldene Stein zu erglühen – ein ikonischer Fotomoment der Côte Vermeille (Vermillon-Küste).
Bord-Anekdote: 1642, nach der Eingliederung des Roussillon in Frankreich, verliert das Schloss seine königliche Rolle. Vauban macht eine Garnison daraus, und es heißt, seine Ingenieure hätten lange über ein Vorhaben gestritten – das schließlich verworfen wurde –, die Kirche abzureißen, um ein freies Schussfeld zum Meer zu schaffen. Die Kirche wiederum wurde zum Leuchtturm.
Die Kirche Notre-Dame-des-Anges, ein Glockenturm in den Wellen
Zwischen 1684 und 1691 auf einem ins Mittelmeer ragenden Riff errichtet, ist Notre-Dame-des-Anges der einzige Sakralbau des Roussillon, der direkt auf dem Meer steht. Sein runder Glockenturm mit der gewölbten rosa Kuppel ist ein ehemaliger Leuchtturm – er führte die Fischer nach einer Nacht auf See in ihren Heimathafen zurück. Diese unverkennbare Silhouette, verbunden mit dem Horizont, ist zum Wahrzeichen der Côte Vermeille geworden. Dutzende Gemälde – von Derain bis Foujita, über Dufy, Marquet, Chagall und Picasso – haben sie verewigt und in die Kunstgeschichte eingeschrieben.
Beim Vorbeifahren am Glockenturm erkennt man den Felsen, auf dem die Fundamente ruhen. Bei etwas bewegter See schlagen die Wellen direkt gegen die Außenmauer des Bauwerks. Das ist – im wörtlichen Sinn – die am stärksten benetzte Kirche Frankreichs.
Auf den Spuren der Fauvisten: Farbe, geboren aus dem Blick auf das Wasser
Im Sommer 1905 lassen sich Henri Matisse und André Derain einige Wochen über der Bucht nieder. Sie malen von den Terrassen aus, von den Booten, vom Strand. Im Herbst zeigt der Salon d'Automne ihre Bilder: die offizielle Geburtsstunde des Fauvismus – ein Begriff, geprägt von einem verblüfften Kritiker. Rote Dächer, blauer Schatten, rosa Glockenturm: Collioure wird in den Rezensionen als Stammhaus einer ganzen Bewegung genannt.
Später kommen Picasso, Dufy, Marquet, Foujita, Chagall ebenfalls hierher. Etwa zwanzig Reproduktionen stehen heute im Dorf, an den genauen Orten der Staffeleien – das ist der „Fauvisten-Weg". Doch die Perspektive, die diese Bewegung ausgelöst hat, sehen Sie ganzformatig vom Boot aus: die Silhouette des Glockenturms, die Masse des Schlosses, das kobaltblaue Wasser dazwischen. Dieselbe, die Matisse 1905 vor Augen hatte. Unverändert.
Die versteckten Buchten zwischen Argelès und Collioure
Auf dem Küstenabschnitt zwischen Argelès und Collioure steigt die Straße an und verliert das Meer aus den Augen. Das Boot dagegen fährt eng an der Steilküste entlang und enthüllt eine Reihe von Buchten, die kein Besucher vom Land aus zu Gesicht bekommt: Anse de la Baleta, Crique de Bernardi, Plage de l'Ouille, Anse des Elmes, Anse du Faubourg. Ockerfarbener Schiefer, Zistrosenmacchia, Wasser, das je nach Tiefe zwischen Türkis und Smaragd wechselt. Der Skipper verlangsamt manchmal, wenn eine Kormoran-Möwe einer Meeräsche nachjagt oder ein Mondfisch an der Oberfläche treibt – jene unwahrscheinliche Silhouette eines flachen Fisches knapp unter der Wasserlinie.
Fort Saint-Elme wacht über dem Dorf
Heben Sie den Blick. Auf der Anhöhe zwischen Collioure und Port-Vendres steht eine sternförmige Silhouette: das Fort Saint-Elme, von den Königen von Aragón im 14. Jahrhundert errichtet und im 16. Jahrhundert von Karl V. umgebaut. Seine Lage ist beeindruckend: mit einem einzigen Blick beherrscht es beide Häfen, die Reede und die ganze Küste bis zu den Albères. Vom Boot aus bekommt es eine fast unwirkliche Dimension, schwebend zwischen Himmel und Weinbergen. Ein Detail, das die meisten Besucher auf der D914 verpassen – die maritime Perspektive zeigt es auf einen Schlag.
Katalanische Segelboote und die Seele der Sardellenfischer
Am Strand Boramar und in der Anse de Port d'Avall liegen katalanische Segelboote mit Lateinersegel auf dem Trockenen oder vor Anker. Diese bunten Boote – runder Rumpf, dreieckiges Segel, vorn gesetzter Mast – erinnern daran, dass Collioure bis in die 1960er Jahre einer der großen Sardellenhäfen des Mittelmeers war. Die Frauen des Dorfes salzten und verpackten den Fisch in gewölbten Kellern, und die „Salaison Roque" führt die Tradition mit einer einzigartigen g.g.A.-Sardelle bis heute fort. Wenn das Boot vorbeifährt, erahnt man die noch in Betrieb befindlichen Salzkammern hinter den pastellfarbenen Fassaden.
Ein Dorf, das sich neu lesen lässt
Collioure mit dem Auto zu besuchen heißt, im Dorf anzukommen, das Auto abzustellen, zu Fuß weiterzugehen. Auch das ist schön. Vom Meer aus kommt man wörtlich „in das Dorf hinein": das Boot legt direkt am Fuß des Schlosses an, 30 Sekunden vom Strand Boramar und vom Place du 8-Mai entfernt. Diese Perspektivverschiebung verändert alles: man entdeckt das Dorf so, wie es historisch entstanden ist – vom Wasser aus, als Handelsposten, der sich zum Mittelmeer öffnet. Genau diese Lesart haben die Fauvisten-Maler erfasst, und genau diese nimmt man mit nach Hause.
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📘 „Collioure vom Meer aus besuchen" lesen →Collioure vom Meer aus — Ihre Fragen
Warum Collioure vom Meer aus statt von der Straße entdecken?
Was sieht man vom Boot, was man sonst nicht sieht?
Hat der rosa Glockenturm von Collioure wirklich als Leuchtturm gedient?
Welche Maler haben Collioure gemalt?
Warum heißt das Königsschloss „von Mallorca"?
Praktische Planung: wo finde ich die Infos?
Collioure sehen, wie die Maler es gesehen haben
Stechen Sie ab Argelès in See und entdecken Sie das berühmteste Dorf der Côte Vermeille aus einer ganz neuen Perspektive.